Der Tomberg – Die Geschichte im Stein

 

Die Erdgeschichte von Wormersdorf und seiner Umgebung

Für den Historiker beginnt die Geschichte eines Ortes in der Regel mit der ältesten sicher datierten urkundlichen Erwähnung. Für den Geologen ist dies anders. Für ihn beginnt die örtliche Geschichte mit den ältesten in der Umgebung vorhandenen Gesteinen. Aus diesen Gesteinen, ihrer Zusammensetzung, ihrer räumlichen Verteilung und ihrem Fossilinhalt kann der Geologe die oftmals bewegte Erdgeschichte und die Veränderungen, die ein Naturraum durchgemacht hat, rekonstruieren. Dabei ist es jedoch sinnvoll, die Gesteinsvorkommen nicht isoliert zu betrachten, sondern in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Nur so wird vielfach die Bedeutung der für sich genommen manchmal eher unscheinbaren Vorkommen von Gesteinen und Fossilien richtig klar.

 

Unter tropischer Sonne

Die ältesten Gesteine in der Umgebung von Wormersdorf stammen aus jenem Zeitabschnitt, den der Geologe das Unterdevon nennt, also aus der Zeit vor etwa 417 – 392 Millionen Jahren. Damals sah unser schöner blauer Planet noch ganz anders aus als heute. Die Gegend von Wormersdorf lag damals etwa auf dem Äquator am Südrand eines ausgedehnten Kontinentes, der aus dem heutigen Nordamerika und den nordöstlichen Teilen Europas bestand: Laurussia. Wegen der typischen roten Sandsteine, die sich in seinen Senken ablagerten, wird diese Landmasse auch der Old-Red-Kontinent genannt.

Leben im flachen Meer

Dort, wo heute die Eifel liegt, lag im unteren Devon ein flacher Meeresbereich, in den von Norden eine Reihe von Flüssen mündeten. Die Küste lag etwa am Südrand des heutigen Ruhrgebietes. Die damalige Landschaft ist durchaus vergleichbar mit der heutigen Nordseeküste.

Nur war das Wattenmeer viel, viel breiter. Die Flüsse lieferten große Mengen Schlick, die sich vor der Küste absetzten. Mehrere tausend Meter Sediment hat das Flachmeer aufgenommen. Dabei hielten sich das Absinken des Meeresbodens und das Auffüllen mit Sand und Schlamm die Waage. Wie flach das Wasser war, erkennt der aufmerksame Betrachter noch heute an den feinen Wellenrippeln, die überall dort zu sehen sind, wo das Gestein entlang der Schichtflächen aufbricht.

Im flachen Wasser wimmelte es von Leben. Muschelähnliche Brachiopoda filterten mit ihren Tentakeln Plankton aus dem Wasser. Sie hielten damals den Platz der echten Muscheln besetzt, die noch weitgehend ein Schattendasein führten. Hier und da kam auch einmal ein Trilobit vorbei, ein urzeitlicher Dreilappkrebs, und durchwühlte den Sand. Im tieferen Wasser wiegten sich filigrane Seelilien, gestielte Verwandte der Seesterne, in der schwachen Strömung. Dazwischen ließ sich der eine oder andere noch kieferlose, dafür aber schwer gepanzerte „Fisch“ blicken. Den Panzer hatten diese frühen Verwandten der heutigen Neunaugen auch bitter nötig. Denn auch Seeskorpione, die wohl gefährlichsten Räuber im unteren Devon, trieben hier ihr Unwesen.

 

Das Leben erobert das Land

Dort, wo es flacher wurde und der Boden sogar trocken fiel, streckten die ersten Landpflanzen ihre zarten Triebe dem Licht entgegen. Erst vor kurzem hatten die Pflanzen ihr System aus Leitbündeln entwickelt, das sie auch außerhalb des Wassers stützen und mit dessen Hilfe sie vor allem Wasser aus ihren unteren Teilen bis in die Spitzen pumpen konnten.
Dazwischen hinterließen Seeskorpione, echte Skorpione, Hundertfüßer, die ersten Spinnen und anderes Krabbelgetier ihre Fährten. Sie waren die Ersten, die den Pflanzen auf das Land folgten. Den Wirbeltieren gelang das erst viel später, im Oberdevon.

 

Paradies für Taucher

Im mittleren Devon, vor etwa 392 – 381 Millionen Jahren, drang das Meer nach Norden vor. Der vorher einheitliche flache Meeresboden entwickelte ein deutliches Relief. Vor der Südküste des Old-Red-Kontinentes entstand eine Gruppe kleiner und größerer Inseln.
Auf untermeerischen Schwellen und an den Rändern der Inseln konnten sich unter der tropischen Sonne Korallenriffe ausbreiten.

Neben den Korallen lebten zum Beispiel auch Schwämme, Brachiopoden, Muscheln, Schnecken und Seelilien in und neben diesen Riffen. Auch die Trilobiten waren hier viel häufiger und wesentlich vielfältiger als im Wattenmeer des Unterdevons. Da der Einfluss des südlich gelegenen offenen Meeres nun viel stärker war als im Unterdevon, kamen auch Tintenfische in die Gegend. Mit ihren äußeren Gehäusen sahen sie für den heutigen Betrachter recht ungewohnt aus.

Im Oberdevon, das von etwa 381 – 358 Millionen Jahre vor heute dauerte, starben die Riffe wieder ab. Sie wurden von Ton- und Kalkschlämmen überdeckt. Doch sind rund um Wormersdorf keine Gesteine mehr aus dieser Zeit erhalten. Ebenso wenig wie aus dem Unterkarbon, das von etwa 358 – 320 Millionen Jahre dauerte.

 

Der Zusammenstoß

Denn im Oberkarbon, vor etwa 320 – 296 Millionen Jahren, wandelte sich die Landschaft erneut, und diesmal gründlich. Denn auf Laurussia bewegte sich der Südkontinent Gondwana zu. Diese enorme Landmasse bestand aus dem heutigen Afrika, Südamerika, Australien, der Antarktis und Indien. Der Ozean zwischen Laurussia und Gondwana, die Paläothetys, wurde dabei immer schmaler.

Gondwana stieß zunächst jedoch nicht selbst mit Laurussia zusammen. Vielmehr kollidierten ein paar kleinere Bruchstücke aus kontinentaler Erdkruste, die sich von Gondwana gelöst hatten, mit Laurussia. An der Stelle des Zusammenstoßes wurde das Variskische Gebirge herausgehoben. Der Kern des Gebirges erstreckt sich heute, vielfach von jüngeren Gesteinsserien überdeckt, von Cornwall über die Bretagne, die Vogesen und den Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald und nach Böhmen.

An seinem Nordrand wurden die bis dahin erstandenen Gesteinsschichten in Falten gelegt und teilweise übereinander geschoben. Das Rheinische Schiefergebirge, das Teil des Variskischen Gebirges ist und zu dem neben der Eifel auch Ardennen, Westerwald, Hunsrück und Taunus gehören, war entstanden. Dabei erfuhr die Erdkruste eine erhebliche Verkürzung: Die Stelle, auf der heute Frankfurt steht, hätte relativ zu Wormersdorf, zum Beispiel vor der Faltung auf der Höhe von Speyer gelegen.

Schließlich kollidierte auch Gondwana selbst mit Laurussia. Das Ergebnis war der Superkontinent Pangäa. Der endgültige Zusammenstoß erfolgte jedoch weiter im Westen, dort, wo heute Nord- und Südamerika aneinandergrenzen. Hier bei uns, weiter im Osten, entstand südlich des Variskischen Gebirges ein breiter Golf: der Thetys.

 

Ein neues Meer im Norden

In den nächsten paar Millionen Jahren wurden erst einmal keine neuen Gesteinsschichten mehr abgelagert. Das Variskische Gebirge verwitterte vielmehr tiefgründig und wurde bis auf den Rumpf abgetragen. Es war aber sowieso nie ein richtiges Hochgebirge gewesen.

Erst in der unteren Trias, vor etwa 251 – 244 Millionen Jahren, wurde wieder Sand angeliefert. Dieser wurde von Flüssen, die sich von Süden in ein neu entstandenes Flachmeer im Norden ergossen, auf einer weiten Plattform angeschüttet. Das Klima war zu dieser Zeit heiß und trocken. Dadurch erhielt der Sand eine kräftige rostrote Farbe. Daher werden diese Schichten und somit auch die Zeitstufe, in der die Schichten gebildet wurden, Buntsandstein genannt.

Die Bildung des neuen, zunächst noch flachen Meeres im Norden war Teil von Vorgängen, die das Aussehen der Erde erneut gründlich verändern sollten. Denn entlang einer alten Nahtlinie begann der gerade erst entstandene Superkontinent Pangäa wieder auseinanderzubrechen: Der Atlantik riss auf. Die Einsenkung des Germanischen Beckens, wie dieses neue Flachmeer, das in der Gegend des heutigen Norddeutschland und der Nordsee gelegen hat, genannt wird, steht damit im direkten Zusammenhang.

Wechsel von Land und Meer

In der mittleren Trias, im Muschelkalk, kam das Meer in die Eifel zurück. Doch erstreckte sich nur ein schmaler Meeresarm, der die Thetys mit dem Meer im Norden verband, über die Eifel. Wormersdorf lag wahrscheinlich ziemlich genau am Ostufer dieser Meeresverbindung.

In der oberen Trias, dem Keuper, war die Eifel wieder Festland. Erst im unteren Jura, dem Lias, dehnten sich die Meere im Süden und im Norden wieder aus.
Wahrscheinlich entstand auch wieder der schmale Meeresarm, der bereits im Muschelkalk die Eifel bedeckt hatte. Doch schon nach kurzer Zeit fiel auch dieser Bereich wieder trocken

Von da an war die Eifel durchgehend Festland. Im weiteren Verlauf des Juras und der Kreide, den Epochen, in denen die Dinosaurier die Welt regierten – sowie des Paläogen verwitterten die Gesteine der Eifel tiefgründig. Viele der hier abgelagerten Gesteine wurden wieder abgetragen. Die Verwitterung reichte bis tief in die devonischen Gesteine hinein. Der Ton, den auch die Wormersdorfer Töpfer für ihre Produkte verwendeten, entstand in dieser Zeit.

Nur in einigen Senkungsgebieten, in denen Gesteinsschichten bis unter die Zone der Abtragung versenkt wurden, blieben Gesteine erhalten, die nach der Zeit des Unterdevons abgelagert wurden. So sind in den Kalkmulden der Eifel Gesteine des mittleren Devons von der Abtragung verschont worden. Das Wormersdorf am nächsten gelegene Vorkommen liegt bei Bad Münstereifel in der Sötenicher Mulde. In der Gegen um Mechernich sind Gesteine der Trias, vor allem des Buntsandsteins, erhalten geblieben.

 

Es kracht in der Eifel

Im Tertiär, genauer im Eozän, wurde es dann richtig unruhig in der Eifel. Tief unten in der Erde, an der Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel, schmolz das Gestein auf und drang in die Oberfläche. Die Vulkane der Hocheifel entstanden. Dieser Vulkanismus begann vor etwa 45 Millionen Jahren. Je weiter man nach Norden kommt, desto jünger werden die Vulkane. Zu den deutlich jüngeren zählt auch der Tomberg, der nördlichste Vulkan der Vulkan-Provinz der Hocheifel. Er brach vor etwa 30 Millionen Jahren aus. Dieser Berg besteht in seinem Kern aus einer Basaltkuppe, die im Süden und Osten von Tuffen umgeben ist.

Kurz darauf brach dann auch langsam die Niederrheinische Senke ein, deren südlichstes Ende die Kölner Bucht ist. Gleichzeitig stieg das Rheinische Schiefergebirge und als Teil davon, auch die Eifel auf. Am Rande der Niederrheinischen Bucht sind mehrere Schollen der Erdkruste quasi auf halber Höhe hängen geblieben. Wormersdorf liegt ziemlich genau auf der Grenze zwischen Hochbereich der Eifel und der ersten von mehreren, treppenartig zur Kölner Bucht absteigenden Krustenschollen.


Die Zeit bis heute

Durch die Verwitterung der Gesteine und die langsame Abtragung des Bodens ist dann im Laufe der Zeit die heutige Landschaft entstanden. Das Eiszeitalter, das vor 2 Millionen Jahren begann und erst vor 10.000 Jahren endete, hat rings um Wormersdorf keine oder nur sehr geringe Spuren hinterlassen. Mit der Ankunft der ersten Menschen – wahrscheinlich umherstreifende Familien des Neandertalers – beginnen neue Kapitel im „Land der Liebe“. Einige davon können in dieser Festschrift aufgeschlagen werden.

 

 

Auszug aus der Festschrift zur 1175 Jahr Feier Wormersdorf.
Artikel: Christian Peitz

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