Beschaffenheit der alten Tomburg

T. Ernst beschreibt in seinem Buch: „Joseph der Küfer von Euskirchen“ die Tomburg (Seite 29-31, Neudruck, herausgegeben vom Eifel- und Heimatverein Rheinbach 1968). Woher dieses Wissen um die Beschaffenheit der alten Tomburg stammt, ist nicht nachzuvollziehen.

 

„…..für solchen anstelligen Burschen wie du bist, ist auf der Tomburg immer Platz.“

Sie schritten zusammen den in sanfter Steigung emporführenden Pfad aufwärts. Auf der Spitze des bewaldeten Berges erhob sich stolz und drohend die gewaltige Veste, welche nächst Nideggen die stärkste Burg am ganzen Niederrhein war. Ein tiefer breiter Wassergraben und hohe, mehrere Fuß dicke Mauern umschlossen rings die Gebäude der Burg; das mächtige Tor, zu welchem man auf einer breiten, in Ketten hängenden Zugbrücke gelangte, hatte jenseits des Grabens ein Vortor, welches gleichsam als Brückenkopf diente; es war ein nicht sehr hoher, aber umfangreicher Turm, durch welchen hindurch ein gewölbter tunnelartiger Gang zur Zugbrücke führte; eine starke Mauer, welche auch ein kleines Gebäude für die Torwache umschloss, kreiste das Vortor ein, so dass es ein kleines, aber festes Kastell für sich bildete, das vom Feinde erst genommen werden musste, ehe ein Angriff auf das Haupttor jenseits des Grabens erfolgen konnte.

Zwei schlanke Türme flankierten das Haupttor, verschiedene andere Verteidigungstürme waren in die Burgmauer eingefügt. Der weite geräumige Burghof, in dem man vom Tore aus zunächst gelangte, war rechts und links begrenzt von niedrigen langgestreckten Gebäuden, welche die Wohnungen der vielen Kriegsknechte und des Schloss Gesindes enthielten; inmitten des Hofes stand das Brunnenhäuschen mit dem großen Rade, mittels dessen man das unentbehrliche Nass aus dem schier unergründlichen, durch den Fels gehauenen Brunnenschacht in einem großen Eimer emporwand, und täglich wurden vier von den zur Burg gehörenden Leibeigenen zum Emporwinden des nötigen Wassers hinauf befohlen, denn das Drehen des Brunnenrades gehörte zu den Frohnden und war eine harte, von allen Hörigen gefürchtete Arbeit.

Dem Tore gegenüber wurde der Hof durch das eigentliche Schlossgebäude abgeschlossen. Es war ein großer massiver zweistöckiger Bau, mit vielen Erkern und Türmchen versehen. Im unteren Geschoß, deren große, aus vielen kleinen, mit Blei gefassten Scheiben bestehenden Fenster durch dicke Eisenstangen gesichert waren, befanden sich die Kapelle, der große Rittersaal, die Rüstkammer, die Trinkstube und die vom Burgherrn bewohnten Gemächer; das Stockwerk enthielt auf der einen Seite die Kemenaten oder Frauengelasse, auf der anderen Seite den Gerichtssaal – der Besitzer von Tomburg hatte die Gerichtsbarkeit über das ganze umliegende Gebiet -, im obersten Stock endlich lagen die Kammern des Gesindes, das zum unmittelbaren Dienst bei der Herrschaft bestimmt war.

Jenseits des Burghauses lag ein zweiter Hofraum, von Stallungen, Scheunen, Wirtschafts- und Vorratsschuppen eingeschlossen; dem Herrenhaus gegenüber, dicht an der Umfassungsmauer, stand ein kleines steinernes Gebäude, in welchem der Burgvogt des Ritters, ein Herr von Kronenberg wohnte. Ganz nahe dem Herrenhause aber und mit dem oberen Stockwerk desselben durch eine hölzerne, abnehmbare Galerie verbunden, erhob sich, alles überragend, der altersgraue Bergfried, ein achteckiger Turm von gewaltigem Umfange, auf dessen Plattform das Banner des Herrn von Müllenark lustig im Winde flatterte. Der Bergfried hatte zu ebener Erde keine Tür, der einzige Zugang befand sich wohl zwanzig Fuß hoch über dem Boden, war also nur über die Galerie vom Herrenhause aus oder von unten auf Leitern zu erreichen. Der riesige Turm enthielt mehrere übereinander liegende gewölbte Geschosse, die untereinander durch schmale gewundene Steintreppen verbunden waren; vom obersten Gemach aus gelangte man auf einer Leiter nach der Plattform hinauf, die von einer Brustwehr umgeben war. Unter dem Turm befand sich das schauerliche Burgverlies, ein lichtloser, in den Felsen gehauener Kellerraum, in den die Gefangenen durch eine Öffnung in der Decke an Seilen hinabgelassen wurden; wer in diesem Verließ schmachtete, der mochte seine Rechnung mit dem Leben abschließen, wenn anders ihm nicht von außen Hülfe kam; denn ein Entweichen aus diesem furchtbaren Kerker war unmöglich. Der Berg- oder Burgfried, den alle bedeutenderen Burgen jener Zeit besaßen, war der festeste Punkt der ganzen Burganlage; hierher zog sich der Burgherr mit seinen Schätzen und seinen Mannen zurück, wenn der Feind die Mauem der Veste bereits erstürmt hatte, und gar manches mal war der Bergfried die Rettung der Besatzung geworden, an dem die Wut der Feinde machtlos zerschellte.

Die weitausgedehnten Mauem schlossen außer den Höfen und den genannten Gebäuden noch das Backhaus und Schlachthaus, den Stock, wie das Gefängnis genannt wurde, in dem die Untertanen des Ritters für leichtere Vergehungen büßen mussten, ferner mehrere Wächterhäuschen, einen ziemlich großen Baumgarten und ein weiteres Stück Ackerland ein, auf welchem die zum täglichen Gebrauch erforderlichen Gemüse und Kräuter gezogen wurden.

Das war die altberühmte, sagenumwobene Veste, die, auf den Fundamenten eines Römerkastelles erbaut, das bergige Land weit umher beherrschte und für unbezwinglich galt; sie war, seit Ritter Werner von Müllenark Herr dort oben war, der Schrecken der nahe liegenden Städte und kleineren Dynasten, denn der Ritter war ein gewalttätiger rauer Kriegsheld, der sich im Kampfgetümmel am wohlsten fühlte und sein Recht auf der Schneide seines Schwertes trug.

Die Burgkellerei befand sich in dem rechts vom Schloss Hause liegenden, diesem zunächst befindlichen niedrigen Gebäude. Ober dem Keller lag die Wohnung des Tomburger Kellermeisters und Küfers Hansen. Die Leute, die in jenen Zeiten auf den Ritterburgen das wichtige Amt des Kellermeisters bekleideten, mussten zugleich tüchtige Küfer sein, die die Gebinde in Ordnung halten und auch neue Fässer herstellen konnten; dass sie sich auf die Behandlung des Weines gut verstehen mussten, ist selbstverständlich. Der Keller selbst zeigte vorn einen großen, in den Basaltfelsen gehauenen Raum, von welchem aus mehrere Gänge weit in den Berg hinein liefen; hier befand sich das große Weinlager des Ritters. Ganze Reihen von mächtigen Stückfässern voll edlen Traubenblutes lagerten da auf ihren Holzgestellen nebeneinander. Aber auch der Cyder, das Getränk, welches die Kriegsknechte und das Gesinde erhielten, fehlte nicht, denn einer der Gänge war ganz mit Gebinden voll des duftenden Apfeltrankes angefüllt, den Meister Jakob Bondell geliefert hatte…“

 

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.